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St.Gallen war schon vor 100 Jahren farbig

Alte Ansichtskarten sind einerseits spannende Belege für die Lokalgeschichte. Anderseits wecken sie bei vielen Betrachtern angesichts der darauf abgebildeten «guten alten Zeit» auch nostalgische Gefühle. Und es gibt diese alten Karten sogar in Farbe.

Alte Ansichtskarten sind interessante historische Belege. Die Bilder können wertvolle Hinweise zur Baugeschichte eines Ortes liefern. Dies, weil für Ansichtskarten regelmässig über Jahrzehnte immer wieder die gleichen Bauten und Ansichten fotografiert wurden. Dies aber auch, weil auf ihnen häufig auch weniger wichtige Häuser und Strassen abgebildet wurden, für die sich unter Umständen keine anderen fotografischen Belege erhalten haben. Ein Glücksfall für ein Archiv ist natürlich, wenn es die gesammelten Bestände – die Glasplatten, Negative, Abzüge und Fotolisten – eines alten Ansichtskartenverlags erwerben kann. Für die Stadt St.Gallen finden sich solche Beständen in Form der Sammlung Foto Gross im Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde oder in Form der Sammlung des ehemaligen Fotohauses Zumbühl in der Vadianischen Sammlung (die der Ortsbürgergemeinde gehört, aber als Dauerleihgabe in die Kantonsbibliothek eingegliedert ist).

Ansichten von Flohmärkten und aus dem Internet

Zeitaufwendiger, dafür aber auch kostengünstiger als der Erwerb grosser Bestände ist das Sammeln einzelner Ansichtskarten. Es ist in der Regel das Hobby von Privatpersonen, die ihre Schätze auf Flohmärkten, in Antiquariaten und heute vor allem auf Auktionsplattformen im Internet erwerben. Die Preisvorstellungen der Verkäuferinnen und Verkäufer können dort allerdings stark variieren: Auch über 120 Jahre alte Karten mit gängigen Motiven sind bereits für wenige Franken zu bekommen. Für seltene Einzelstücke werden allerdings schon auch einmal ein paar Hundert Franken verlangt. Wie viele Sammlerinnen und Sammler von Ansichtskarten es in der Stadt St.Gallen gibt, ist nicht bekannt. Wer bei Internetauktionen regelmässig mitbietet, begegnet immer wieder den gleichen Konkurrenten. Etwa ein halbes Dutzend Sammlerinnen und Sammler interessiert sich derzeit regelmässig für Motive aus der Gallusstadt. Einige von ihnen kennt man natürlich aus direkten Kontakten. Oder weil sie mit Bildern an die Öffentlichkeit treten. Ein Beispiel dafür ist Peter Uhler, der inzwischen über 5000 alte Ansichtskarten sein eigen nennt und jedes Jahr einen historischen Kalender zu St.Gallen herausgibt. Jener für 2019 ist dem Riethüsli gewidmet (Tagblatt vom 1. November). Ein anderer bekannter Kartensammler ist Pius Jud, seines Zeichens Präsident des Quartiervereins Lachen. Er hat eine der wohl grössten Sammlungen alter Ansichtskarten und Bilder zu diesem Quartier zusammengetragen. Wenn er seine Schätze an den Hauptversammlungen der Quartierorganisation ausbreitet, ist das nicht nur für ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Lachen der Höhepunkt dieser regelmässigen Veranstaltung. (vre)