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Die Widnauer Mundart erhalten

Die Widnauer Mundart gehört zu den Niederalemannischen Dialekten und ist bestimmt schweizweit eine der markantesten. An ihr kann man eine Person schon an wenigen gesprochenen Sätzen eindeutig der Dorfschaft Widnau zuordnen. Der in Widnau und Diepoldsau aufgewachsene Herbert Markovits sammelt zu den Rheintaler Dörfern seit mehr als 30 Jahren Mundartwörter. Dank diesem Hobby entstanden zwischenzeitlich umfangreiche Listen, so auch über Widnau.

Viele Begriffe, die noch heute im Tal verwendet werden, stammen aus der Zeit französischer Soldaten. Denken wir nur an «Buwärli» (pois verts – grüne Erbsen), «baräntig» (pareille – genau gleich), «Gufara» (coffre – Truhe mit Deckel), «tuschur» (toujours – fortwährend, immer), «Plagöri» (Blagueur – Witzbold) und so fort. Andere Begriffe sind vom Aussterben bedroht oder bereits in Vergessenheit geraten, wie beispielsweise «Weadargeenta» (Muskelkater), «Rüdigüül» (Pausensack), «Schnudarlumpa» (Taschentuch), «Fisimattänta» (Umstände) oder «Seampari» (Langsamer).

Mundart im Wandel

Einst bewahrten naturgemäss alle ihre Mundart in der Urform. Dafür verantwortlich war die Tatsache, dass man wenig mobil war, im Dorf lebte, arbeitete und seine Freizeit im Familien- oder Kollegenkreis verbrachte. «Man blieb unter sich. Heiratete ein Widnauer nach auswärts oder wählte er eine Partnerin aus einem Nachbardorf, kam er noch viele Jahre in einen echten Erklärungsnotstand», so Herbert Markovits. Wie andernorts erfährt die Mundart auch in Widnau einen permanenten Wandel. Dies geschieht in kleinen Schritten, beinahe unbemerkt, aber stetig. Durch die uneingeschränkte Mobilität hat man viel einfacher Kontakt zu benachbarten Mundarten. In Gesprächen passen sich gar manche an und ersetzen originale, eher schwer zu verstehende Mundartwörter durch standartsprachlich «gemässigte» Begriffe. Man wählt Wörter, welche in der Lautung angepasst sind oder in einer anderen schweizerdeutschen Mundart verbreitet sind. Dadurch kommen viele Wörter ausser Gebrauch und geraten in Vergessenheit. Jede Mundart wird sich in rascherem Tempo mit jenen der näheren und weiteren Region vermischen. Konnte man früher von Dorf zu Dorf klare Unterschiede ausmachen, wird sich langfristig eine sanfte Vermischung der dorfeigenen Mundarten ergeben.

Wie jede andere Mundart stellt auch die Widnauer ein bedeutendes Kulturgut dar. Deshalb leisten all jene Personen, welche die Widnauer Mundart weiterhin tagtäglich aktiv und mit Stolz gebrauchen, einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt ihres wertvollen Kulturgutes.

Beitrag Rheintaler Bote vom 20.09.2017 / Beitrag Tagblatt 23.03.2007

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