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Die Geschichte des Toggenburger Mandelfisch

Die älteste, schriftliche Erwähnung eines Ostschweizer Mandelfischs ist im Idiotikon aus dem Jahr 1881 zu finden. Dort ist zu lesen, dass der Mandelfisch in St. Gallen ein hochzeitliches Gebäck sei, das mit Hilfe eines Sturzmodells geformt wird. In Schwyz, Zug und Zofingen war er gleichzeitig als Weihnachtsgebäck bekannt.

Gebäcke in Fischform sind keine Seltenheit. Der Aargauer Gebäckforscher Rochholz erklärt deren Vorkommen mit der Verleihung der Fischrechte im Mittelalter. In seinem Text aus dem Jahr 1861 nennt er als Verbreitungsgebiet dieser Fischgebäcke das «Zürcher-, Glarner- und Schwyzerland». Der Mandelfisch als solches wird in diesen mittelalterlichen Quellen jedoch nicht erwähnt. Anhand der Handschriften des Klosterarchivs von Muri im Kanton Aargau beschreibt er «Grundbesitz, Landbau, Haushalt u. Gesindeordnung von 1027 bis 1596»: Dort waren die Fischenzen, also die Verleihung von Fischereirechten, eine bedeutende Einnahmequelle. Unter den Neujahrssteuern wird die Abgabe von Fischen regelmässig aufgeführt.

Mit der Zeit, Rochholz führt keine Jahreszahl an, gab man anstelle der Tiere einen «Brodfisch». Offenbar wurde es insbesondere in der Zeit von Nikolaus bis Weihnachten üblich, Fische in Gebäckform als Abgabe an das Kloster oder als Geschenk abzugeben. So schenkte etwas die Äbtissin des Klosters Hermetswil dem Abt des Klosters Muri und dem Landvogt in Baden einen Fisch aus Lebkuchen. Ein gefüllter Lebkuchenfisch erwähnt auch Pater Odilo Ringholz in seiner Publikation über den Einsiedler Schafbock. Dort ist eine Krämerordnung aus dem Jahr 1663 erwähnt, die den «Schäfli-Leuten» – den Leuten, welche die «Einsiedler Böcke» verkauften – verbot Lebkuchen, darunter zählten damals auch «gefüllte Fisch, Schlangen und kleine Krapfen» zu verkaufen.

Wie dieser Mandelfisch in die Ostschweiz kam und zu seiner heutigen Bedeutung gelangte, ist unklar. Der Publikation «Bloderchäs und Schlorzifladen» ist zu entnehmen, dass er eine überlieferte Spezialität aus dem Toggenburg sei und «dass, er schon sehr lange Zeit angeboten wird». Doch es ist nicht erkenntlich, woher diese Informationen stammen. Ein befragtes Paar, beide gegen Ende der 1920er Jahre in der Ostschweiz geboren, erinnert sich: «Wir haben als Kind schon Mandelfische gegessen! » Die eine Mutter stellte sie mit Hilfe einer billigen Blechform ab und zu selbst zu Hause her. Die andere Mutter kaufte ihn bei einem Hausierer, der regelmässig bei ihrem Hof in Herisau vorbeikam.

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