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Der Letzte seiner Art

Hans Schwendener aus Buchs ist der letzte Töpfer, der noch Talerschwingbecken herstellt. Dabei handelt es sich um eine konisch zulaufende Schüssel, die durch ein rollendes Fünffrankenstück zum Klingen gebracht wird. Üblicherweise benötigt man für das Talerschwingen, das so manchen Jodler begleitet, ein Set aus drei verschieden grossen, zueinander gestimmten Schalen. Diese offenen «Gefässrasseln» sind Teil des Ostschweizer Brauchtums und besonders im Appenzellerland und Toggenburg beheimatet.

Nicht jeder Töpfer kann diese Schwingbecken herstellen. Für die grösste Schüssel des Sets sind beispielsweise sechs Kilogramm Ton notwendig – dafür braucht es einerseits Kraft und die Kenntnis, wie dieser in Form gebracht werden muss. Andererseits müssen die Brennöfen gross genug sein. Jede Schüssel ist ein Unikat und muss «auf den richtigen Ton getöpfert» werden, Grösse und Form sowie der Brennvorgang sind dabei nur einige der vielen Kriterien, die beachtet werden müssen.

Spezialist aus Leidenschaft

Der 69-jährige Schwendener übt diesen Beruf seit seinem 14. Lebensjahr aus, seit 1969 als selbstständiger Keramiker. Anfangs tüftelte er drei Jahre, um herauszufinden, wie das optimale Talerbecken hergestellt werden muss. Der beharrliche Buchser hat bald bemerkt, dass er sich darauf spezialisieren kann. Während andere Berufskollegen der Konkurrenz von Massenproduktion Tribut zollen mussten, kann sich Schwendener vor Aufträgen kaum retten. Etwa fünfhundert Talerschwingbecken stellt er pro Jahr her; praktisch jedes in der Schweiz verkaufte Becken wurde in seiner Werkstatt gefertigt. Anfragen kommen sogar aus dem Ausland.

Täglich arbeitet Hans Schwendener in seiner Werkstatt, stellt bis zu vierzig Rohlinge her. Und obwohl längst im Pensionsalter will er weitermachen, solange seine Kunden mit den Becken zufrieden sind. Wer wird die Becken wohl herstellen, wenn er es einmal nicht mehr kann? Findet sich jemand, der das Handwerk zu gleicher Meisterschaft bringt – oder wird es statt Unikaten

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